sieben Arten von Ruhe
Warum du dich ausruhst und trotzdem nicht erholt bist
Manchmal komme ich nach einem langen Tag im Büro nach Hause und denke: Jetzt erst einmal aufs Sofa. Ausruhen. Schließlich war der Tag anstrengend.
Und dann sitze ich da und fühle mich trotzdem schlapp.
Das klingt zunächst widersprüchlich. Ich ruhe mich doch gerade aus. Warum geht es mir danach nicht besser?
Bei mir liegt es ganz einfach daran, dass ich den ganzen Tag gesessen habe. Mein Körper hat kaum Bewegung bekommen. Noch mehr Sitzen auf dem Sofa ist dann nicht unbedingt das, was ich brauche. Wenn ich stattdessen spazieren gehe, mich dehne oder mich einfach ein bisschen bewege, passiert etwas ganz anderes: Ich werde wacher, klarer und bekomme neue Energie.

Ausruhen ist nicht automatisch Erholung
Wir denken bei Erholung schnell an Nichtstun. Hinsetzen. Hinlegen. Urlaub machen. Früh schlafen gehen.
Das kann genau richtig sein. Aber eben nicht immer.
Wenn ich den ganzen Tag mit Menschen zusammen war, kann ein Abend allein viel erholsamer sein als noch ein Treffen. Wenn ich den ganzen Tag kreativ gearbeitet habe, muss ich am Abend nicht noch im Atelier etwas zustande bringen. Und wenn mein Kopf den ganzen Tag Entscheidungen getroffen und Probleme gelöst hat, brauche ich vielleicht nicht noch mehr Input, sondern eine Zeit, in der ich nichts lösen muss.
Für mich ist deshalb eine Frage immer wichtiger geworden:
Was ist gerade eigentlich mein Bedürfnis?

Sieben Arten von Ruhe
Die Idee, dass wir unterschiedliche Formen von Ruhe brauchen, finde ich deshalb sehr hilfreich. Die Ärztin und Autorin Dr. Saundra Dalton-Smith beschreibt sieben Arten von Ruhe: körperliche, mentale, sensorische, emotionale, kreative, soziale und spirituelle Ruhe.
Alle sieben können wichtig sein. Aber nicht unbedingt gleichzeitig und auch nicht für jeden Menschen im gleichen Maß.
Körperliche Ruhe
Manchmal braucht unser Körper tatsächlich Schlaf und Regeneration. Eine Nacht durchschlafen, einen Mittagsschlaf machen, ein warmes Bad nehmen, in die Sauna gehen oder sich eine Massage gönnen – all das kann genau die richtige Form von Erholung sein.
Aber körperliche Erholung kann, wie bei mir nach einem Tag im Sitzen, auch Bewegung bedeuten. Ein Spaziergang, Dehnen oder eine Runde mit dem Fahrrad können dann mehr bewirken als die nächste Stunde auf dem Sofa.
Die Frage ist: Braucht mein Körper gerade Entlastung oder Bewegung?
Mentale Ruhe
Ich kann körperlich völlig erschöpft sein und trotzdem innerlich nicht zur Ruhe kommen.
Gedanken laufen weiter. Was muss ich morgen erledigen? Habe ich an alles gedacht? Was mache ich mit diesem Problem? Was ist noch offen?
Für mich bedeutet mentale Ruhe deshalb auch, Gedanken loszulassen – gerade bei Dingen, die ich im Moment sowieso nicht beeinflussen kann.
Gedanken aufzuschreiben kann helfen. Die To-do-Liste für einen Moment zu schließen auch. Oder bewusst eine Aufgabe nach der anderen zu machen, statt alles gleichzeitig im Kopf zu bewegen.
Manchmal braucht der Kopf nicht mehr Lösungen, sondern eine Pause vom Lösen.

Sensorische Ruhe
Diese Form der Ruhe habe ich selbst erst mit der Zeit stärker wahrgenommen.
Unser Alltag ist voller Reize. Handy, Nachrichten, Gespräche, Musik, Geräusche, Termine, Informationen. Vieles davon nehmen wir gar nicht mehr bewusst wahr.
Ich merke inzwischen, dass es mir guttut, nicht erst abends alles auszuschalten. Lieber zwischendurch einmal rausnehmen. Das Handy weglegen. Für einen Moment nach draußen gehen. Weniger Informationen aufnehmen.
Sensorische Ruhe kann sehr unspektakulär sein. Aber genau darin liegt ihre Stärke.
Es brauche nicht noch etwas, sondern ich lasse etwas weg.
Emotionale Ruhe
Auch Gefühle können müde machen – besonders dann, wenn wir sie ständig zurückhalten.
Emotionale Ruhe kann bedeuten, mit einem Menschen ehrlich darüber zu sprechen, wie es einem wirklich geht. Tränen zuzulassen, wenn etwas schwer ist. Nicht immer stark sein zu müssen. Nicht immer lächeln zu müssen, wenn einem eigentlich nicht danach ist.
Es geht darum, nicht permanent eine Version von sich aufrechterhalten zu müssen, mit der alle anderen gut klarkommen.
Auch das kann Erholung sein: einmal nichts darstellen müssen.

Kreative Ruhe
Kreativität kann Energie geben. Aber auch sie kann zu einer Leistung werden.
Wenn ich den ganzen Tag kreativ gearbeitet habe, brauche ich am Abend nicht unbedingt noch einmal mein Atelier und den Anspruch, etwas zustande zu bringen. Dann ist gerade das Gegenteil erholsam.
Kreative Ruhe bedeutet für mich deshalb nicht unbedingt, selbst kreativ zu sein. Es kann auch bedeuten, etwas Schönes wahrzunehmen, Musik zu hören, ein Buch zu lesen oder mich von Bildern und der Natur inspirieren zu lassen.
Es geht nicht darum, etwas zu produzieren.
Es geht darum, wieder offen zu werden.
Soziale Ruhe
Auch hier gibt es nicht die eine richtige Form.
Mit einem lieben Menschen bei einem Kaffee oder einem Glas Wein zu sitzen, zu reden und gemeinsam zu lachen, kann unglaublich erholsam sein. Vor allem dann, wenn ich einfach ich selbst sein darf.
Aber wenn ich den ganzen Tag mit Menschen zusammen war, kann genau das Gegenteil richtig sein: allein sein, das Handy ausschalten und niemanden mehr sehen oder sprechen müssen.
Soziale Ruhe kann also Verbindung bedeuten – und Rückzug.
Das ist genau der Grund, warum ich nicht pauschal zu dir sagen könnte: „Du solltest mehr unter Menschen gehen“ oder „Du brauchst mehr Zeit für dich.“
Es kommt darauf an, was vorher war.

Spirituelle Ruhe
Eine Form der Ruhe wird meiner Meinung nach besonders leicht übersehen: die spirituelle Ruhe.
Vielleicht liegt es daran, dass sie auf den ersten Blick wenig produktiv wirkt. Man kann dabei nichts erledigen, keinen Punkt auf einer Liste abhaken und am Ende kein sichtbares Ergebnis vorweisen.
Für mich bedeutet spirituelle Ruhe, in Gottes Gegenwart anzukommen. Zum Beispiel, wenn ich Lobpreislieder höre und für einen Moment nicht mehr darum kreise, was ich noch tun, lösen oder organisieren muss.
Es geht darum, mich daran zu erinnern, dass ich nicht alles selbst tragen muss.
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